"25 tote Lämmer in zwei Tagen -

"25 tote Lämmer in zwei Tagen - der Rest der Schafherde lahmt, frisst schlecht oder gar nicht!" Mit dieser besorgniserregenden - wenn auch gestellten - Meldung von Schäfer Jürgen Körner aus Borgisdorf begann am Montag, 16. Mai 2010, eine dreitägige Tierseuchen-Übung für die Mitarbeiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes Teltow-Fläming.

Schon bei Nennung der Symptome war den Mitarbeitern klar, dass es sich um einen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche handeln könnte. Während ein Kollege den notwendigen Betriebsbesuch vorbereitete, erarbeiteten andere die erforderlichen Tierseuchenverfügungen und stellten die angenommene Erkrankung als Übung in das Tierseuchennachrichtensystem (TSN) ein. Dabei handelt es sich um ein bundesweites Meldesystem für anzeigepflichtige Tierseuchen und -krankheiten.

Am Dienstag entnahmen Mitarbeiter des Amtes unter "Vollschutz" im Betrieb Körner die notwendigen Blutproben. Dabei wurden die angelegte Schutzkleidung auf Praxistauglichkeit getestet sowie der Zeit- und Mitarbeiteraufwand ermittelt. Für den Schafzuchtbetrieb Körner bräuchte man ungefähr sechs Stunden, um jedes Tier klinisch zu untersuchen. Zwei weitere Stunden wären zur Entnahme der notwendigen Proben zwecks diagnostischer Untersuchung einschließlich Verpackung zum Transport erforderlich. Dazu würden neben dem Tierarzt ein weiterer Mitarbeiter zur Dokumentation der Befunde sowie mindestens ein Mitarbeiter des Betriebes zum Vorführen und Festhalten der Tiere benötigt.

Die Suche nach möglichen Einschleppungsursachen und -wegen stand am Mittwoch im Vordergrund. Neben der Kontrolle der Tierkennzeichnung und des Bestandsregisters sollten alle Personen- und Fahrzeugkontakte der letzten 21 Tage ermittelt werden. Es wurden Fragen zum letzten Tierarztbesuch, zu Futtermittellieferungen, zu Tierzu- und -verkäufen, zur Tierkörperbeseitigung sowie zu Besuchen von Landwirtschaftsberatern und anderen betriebsfremden Personen gestellt. Dabei wurde schnell bekannt, dass Schäfer Körner vor wenigen Tagen auf der BRALA in Paaren/Glien einige Schafe ausgestellt hat. Daraus ergaben sich neben den üblichen Kontakten weitere Tausend - immerhin wurden auf der Messe mehr als 40.000 Besucher und über 1000 Zuchttiere aus allen Teilen Brandenburgs gezählt. Dies würde unter realen Bedingungen bedeuten, dass schon nach einem Tag in ganz Brandenburg und großen Teilen Deutschlands tausende Kontaktbetriebe durch Tierärzte aufgesucht, untersucht sowie für Handelszwecke gesperrt würden. Das wäre nicht nur für die Landwirte eine Katastrophe. Auch das öffentliche Leben würde durch Einschränkungen im Personen- und Fahrzeugverkehr gelähmt werden...

Zum Glück war dieses Szenario nur eine Annahme. Dennoch muss man auf den Ernstfall vorbereitet sein. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten Übungen wie die geschilderte, die nach Einschätzung von Amtsleiterin Dr. Silke Neuling zahlreiche neue Erkenntnisse brachte. "Wir sind gut auf unsere Aufgaben vorbereitet, werden aber in den kommenden Wochen unsere Unterlagen ergänzen und einige wichtige Materialien und Ausrüstungsgegenstände beschaffen", so die Amtstierärztin.

Neben der allgemeinen Verpflichtung, regelmäßig den Ausbruch von wichtigen Tierseuchen zu üben, gibt es natürlich auch einen aktuellen Anlass. So warnt das Nationale Referenzlabor in Deutschland vor wachsenden Gefahren. Dabei bezieht es sich auf eine Einschätzung des Weltreferenzlabors für Maul- und Klauenseuche in Pirbright, Großbritannien. Dieses wertet die aktuellen und andauernden Ausbrüche der Maul- und Klauenseuche in Südkorea (seit Januar 2010) und Japan (April 2010) als Hinweis auf einen erheblichen und ansteigenden Infektionsdruck, insbesondere aus asiatischen Ländern.

Durch illegalen Handel mit Nahrungsmitteln tierischer Herkunft und deren Mitnahme im Reiseverkehr besteht ein ständiges Risiko der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche nach Deutschland. Die Warnung ist nicht unbegründet: Dem Seuchenzug von 2001 im Vereinigten Königreich, Irland, Frankreich und den Niederlanden gingen im Jahr 2000 ebenfalls Ausbrüche in Südkorea und Japan voraus. Die Maul- und Klauenseuche konnte sich 2001 durch die Verfütterung infektiöser Abfälle an Schweine nach Europa ausbreiten.

Aus den genannten Gründen werden die Landwirte unserer Region gebeten, ihre Betriebshygiene selbstkritisch zu überprüfen. Es ist nicht auszuschließen, dass Nahrungsmittelabfälle mit nicht-einheimischen Tierseuchenerregern belastet sind. Deshalb ist eine Verfütterung strikt verboten. Auch das Betreten der Ställe oder Weiden durch betriebsfremde Personen sollte auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden.

Fazit: Das Risiko des Ausbruchs von Tierseuchen können nur die Landwirte selbst minimieren. Aber wenn es doch dazu kommt, muss schnellstmöglich die Einschleppungsursache gefunden und eine Weiterverbreitung der Tierseuche verhindert werden. Darauf sind die Mitarbeiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes Teltow-Fläming jetzt - auch Dank der tatkräftigen Unterstützung durch den Schäfer Körner - wieder ein gutes Stück besser vorbereitet.