Erste Bilanz:

Eichen- und Kiefernschädlinge erfolgreich bekämpft
Schlupfwespen sind natürliche Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners; sie allein können den Eichenschädling nicht in Schach halten. Schlupfwespe © K. Möller

Im Mai und Anfang Juni sind in Brandenburg landesweis Baumschädlinge bekämpft worden. Zum einen wurden Wälder, die erheblich durch Nonne und Kiefernspinner geschädigt sind, in Regie des Landesbetriebs Forst Brandenburg mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Weiterhin erfolgte im Rahmen einer zwischen dem Land, Kreisen, Städten, der Stiftung Preußische Schlösser und Garten sowie dem Landesbetrieb Straßenwesen abgestimmten Bekämpfungsaktion die Eindämmung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft und am Boden.

Die Bekämpfungsmaßnahmen gestalteten sich in diesem Frühjahr aufgrund der Witterungsverhältnisse äußerst schwierig. Statt der ursprünglich der vorgesehenen 14 Tage dauerten sie fast einen Monat. Immer wieder musste die Befliegung wegen Regen oder Wind unterbrochen werden. Flugunternehmen und Forstleuten wurde dabei viel Flexibilität und Organisationstalent abverlangt. Die jetzt vorgelegte Bilanz zeigt: Die gute Vorbereitung durch den Landesbetrieb Forst in Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort und dem amtlichen Pflanzenschutzdienst sowie die effektive Arbeit der Hubschrauberfirmen führten schließlich zu einem erfolgreichen Abschluss.
Eichenprozessionsspinner

Erstmals in dieser Größenordnung, nämlich auf 8.875 Hektar Wald aller Eigentumsarten, wurde in Brandenburg das Biozid Dipel ES gegen den Eichenprozessionsspinner ausgebracht. Hinzu kommen rund 200 Hektar der sogenannten Eichenfraßgesellschaft. Die Bekämpfung von Frostspanner, Eichenwickler und Co. wird nur vorgenommen, wenn die Eichenbestände mehrere Jahre nacheinander kahl gefressen werden und ihnen ein Absterben droht. Die Vitalität der Eichen war ein Entscheidungskriterium. Das Ausbringen der Pflanzenschutzmittel mit Helikoptern über Wäldern wendet der Landesbetrieb Forst Brandenburg rund 2,3 Millionen Euro auf. Der Baumschädling, auf dessen Brennhaare auch viele Menschen allergisch reagieren, wurde auf den behandelten Flächen zurückgedrängt.

Nach den vorliegenden Zahlen, die zusätzlich aus Kreisen und kreisfreien Städten vorliegen, wurden landesweit insgesamt 11.900 Hektar Wald und Siedlungsfläche, Eichenbäume an 179 Kilometern Straße sowie 18.000 Bäume im Siedlungsbereich aus der Luft oder vom Boden bekämpft. Die anfallenden Gesamtkosten belaufen sich auf zirka 4,5 Millionen Euro. Neben den bereits angeführten Kosten des Landesforstbetriebs leisten die jeweils zuständigen Kommunalbehörden sowie der Landesbetrieb Straßenwesen (340.000 Euro) einen Beitrag.

Einzelne Kommunen organisierten für private Eigentümer die Bekämpfung gegen Kostenerstattung. Die Eigentümer konnten so von den günstigeren Preisen für die Großaufträge profitieren. Dabei fallen nach Kenntnis des Ministeriums für die privaten Eigentümer oft weniger als 30 Euro pro Baum an.

Regionale Schwerpunkte der Bekämpfung waren die Landkreise:

Teltow-Fläming (Trebbin und Ludwigsfelde)
Prignitz (Bad Wilsnack, Lenzen, Meyenburg, Putlitz/Berge, Groß Pankow, Gumtow, Karstädt, Plattenburg, Perleberg, Pritzwalk, Wittenberge und Alleen)
Potdam-Mittelmark (Treuenbrietzen, Bad Belzig, Nuthetal, Brück, Ziesar, Werder, Schwielowsee, Stahnsdorf, Teltow, Seddiner See, Michendorf, Lehnin, Groß Kreutz, Beetzsee, Beelitz, Niemegk)
Ostprignitz-Ruppin (Wusterhausen, Lindow, Neustadt/Dosse, Temnitz, Fehrbellin, Heiligengrabe, Kyritz, Neuruppin, Rheinsberg, Wittstock und Alleen)
Oberhavel (Hennigsdorf, Kremmen, Hohenbruch, Gransee, Liebenwalde)
Potsdam einschließlich Stiftung Preußische Schlösser und Gärten

Nonne und Kiefernspinner

Gegen die Kiefernschädlinge Nonne und Kiefernspinner wurde schwerpunktmäßig im südlichen Brandenburg auf insgesamt 11.200 Hektar vorgegangen. Die Maßnahmen kosteten rund 742.000 Euro und müssen vom jeweiligen Waldbesitzer getragen werden. Mit dem Pflanzenschutzmitteleinsatz sollen die Bäume vor Kahlfraß beziehungsweise wiederholtem starken Fraß geschützt werden. Folgen nach den Fraßschäden zusätzlich noch längeren Trockenphasen, kann es zum großflächigen Absterben und neben den ökologischen Verlusten auch zu wirtschaftlichen Einbußen für die Waldbesitzer kommen.
Erfolgskontrolle und Prognose 2014

Erste Kontrollen zeigen, dass sowohl beim Eichenprozessionsspinner als auch bei den Kiefernschädlingen die eingesetzten Mittel die erwünschte Wirkung gebracht haben. In den betroffenen Waldgebieten wird in den kommenden Wochen durch die Aufnahme der Fraßschäden großflächig eine Erfolgskontrolle erfolgen. Gleichzeitig beginnen nach den bewährten Methoden die Überwachungsmaßnahmen für die Prognose 2014. Ab Mitte Juni bis Mitte August werden die männlichen Falter der Nonne mit Lockstofffallen erfasst.
Auch die Populationsentwicklung des Eichenprozessionsspinners wird weiter beobachtet. Die Wirkung des eingesetzten Mittels Dipel ES liegt witterungsabhängig zwischen 70 und 90 Prozent. In den intensiv befallenen Bereichen ist deshalb mit einer Restpopulation zu rechnen, die weiter überwacht werden muss. Möglich ist aber auch, dass sich der Schädling außerhalb der bislang bekannten Befallsgebiete ausbreitet.

Aktuell wurde vereinbart, dass die beim Land gebildete Arbeitsgruppe „Eichenprozessionsspinner" nach Abschluss die Bekämpfungsaktionen auswertet und Schlussfolgerungen für kommende Jahre zieht.

MIL Brandenburg
http://forst.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.331317.de
Ende Juni 2013