Wieder ein Denkmal in Not -
Die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark stellt in Not geratene Denkmale vor, die stark sanierungsbedürftig sind und dringend Hilfe benötigen. Wer sich für ein solches Gebäude interessiert, findet auch auf der Internetseite des Landkreises www.potsdam-mittelmark.de alle Informationen zum historischen Bauwerk sowie zahlreiche Fotos, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.
Philippsthal ist ein historisch gewachsenes Straßendorf. Das ehemalige Spinnerdorf setzt sich aus Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden mit angrenzendem Gartenland sowie Abschnitten von Feld- und Waldflur zusammen.
Auf Anweisung König Friedrich II. entstand auf einer Talsandscholle in der Niederheide des ehemaligen Amtes Saarmund 1754 die Spinnerkolonie Philippsthal.
Das Dorf bestand aus 25 Wohnstall-, Doppelstuben- und Doppelhäusern in Fachwerkbauweise mit schwarzen Küchen und jeweils 2 Morgen Acker- und Wiesenfluren. Für den Schulzen wurde ein gesondertes Gehöft „Friedrichshuld“ in Massivbauweise mit Parkanlage errichtet. Die zulässige Tierhaltung war begrenzt, das Spinnen sollte der Erwerb sein.
Die 50 Spinner- und Weberfamilien waren wirtschaftlich vom Verleger abhängig und hatten für ihre Hofstellen einen Erbzins zu zahlen. Mit der Herausbildung der Textilindustrie erfolgte ein Niedergang des Gewerbes in Philippsthal. Seit 1816 waren daher die Bewohner zu anderen Tätigkeiten gezwungen: Sie arbeiteten weitgehend in den Nachbarstädten Berlin, Potsdam und Teltow als Arbeiter oder Angestellte, auch bot die Landwirtschaft Möglichkeiten der Berufsausübung.
Die Typenhäuser waren bereits nach ihrer Fertigstellung baufällig, sodass frühzeitig Reparaturen einsetzten und Lehmfachwerkwände durch massive Mauern ersetzt oder unterfangen wurden. Dabei blieb der Baukörper erhalten, auch als man die Stallteile zu Wohnungen ausbaute. Typisch war der nachträgliche Aufbau von Nebengebäuden wie Stallungen und Scheunen in Lehmfachwerk- oder Ziegelbauweise. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und um die Jahrhundertwende wurden verschiedene Fassaden der Wohnbauten mit Stuck erneuert. Es folgte weiterhin die Bebauung des zentral gelegenen Angers: eine Schule in Ziegelbauweise 1903 und eine Kapelle in Massivbauweise 1904.
Der zweite Weltkrieg brachte erhebliche Zerstörungen und Beschädigungen von historischen Gebäuden, was zu gravierenden Veränderung der Gebäudestrukturen und zum Teil des Erscheinungsbildes der Ortschaft führte. Dennoch sind heute noch einige Doppelhäuser vorhanden, welche trotz Überformung noch die alte Grundstruktur bewahrt haben und mit Gartenland und anschließender Feldflur das Straßendorf charakterisieren.
Für die Kolonie Philippsthal wurden Musterzeichnungen angewendet. Die Typenbauten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts waren quer gegliederte mitteldeutsche Wohnstallhäuser mit schwarzen Küchen, welche als Doppelstuben- und Doppelhäuser aufgebaut wurden. Einige wenige Gebäude haben sich in ihren Proportionen und Gliederungen erhalten, jedoch ist ein Wohnstallhaus im Original nicht mehr vorhanden. Die Lehmfachwerkstrukturen der Wohnbauten wurden überformt und sind nur noch in Resten überliefert, z. B. Dorfstraße 36.
Unter Denkmalschutz steht auch das im Original noch am ehesten erhaltende Spinnerhaus in Fachwerkbauweise in der Dorfstraße 36. Vom ehemaligen Doppelhaus ist eine Hälfte übrig geblieben. Die Wohnfläche für eine Familie betrug 43 Quadratmeter. Ebenfalls unter dem Dach waren der Stall für eine Kuh, eine Stube mit Spinnrad und eine Kammer. Es existierte für beide Haushälften nur ein Schornstein.
Das heute noch vorhandene Gebäude soll hier vorgestellt werden, da es über die Jahre in Not geraten ist. Die Fotografien, die Sie hier finden, sind aus dem Jahre 2010. Das Spinnerhaus ist noch heute in Privathand. Der Eigentümer würde das Objekt für Denkmalinteressierte verkaufen.
Das Spinnerhaus ist in einem stark desolaten Zustand. Das Dach hatte vor Jahren eine Notdeckung erhalten. Der verbretterte Giebel löst sich. Es besteht keine funktionierende Dachentwässerung. Zum Teil sind noch Fachwerkwände in Lehmbauweise vorhanden. Details wie Fensterläden und Haustür sind noch erhalten. Der Schornstein der schwarzen Küche ragt hoch über den Giebel.
Der Zustand des denkmalgeschützten Spinnerhauses ist sehr kritisch, da teilweise bereits konstruktive Verbindungen gelöst sind.
Wer sich für das Spinnerhaus interessiert und dem Denkmal aus der Not helfen möchte, der kann sich gern an die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark wenden. Als Ansprechpartner steht Herr Kerkow zur Verfügung.
Wenn Sie mehr über die Arbeit der unteren Denkmalschutzbehörde wissen möchten, folgen Sie bitte dem Link: www.potsdam-mittelmark.de Bürgerservice/ Fachdienste/ Untere Denkmalschutzbehörde
Quelle: Textpassagen aus der Begründung zum Denkmalbereich Kolonistendorf
Pressemitteilung PM, 26.5.2010














